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In der Onlineversion der Süddeutschen Zeitung erschien am 7. Dezember der Artikel „Die neuen Idiotae“ zur „Verwahrlosung“ des Internets aufgrund der allgemeinen Euphorie gegenüber der Entwicklung von „Bürger-Journalismus“, „Schwarmintelligenz“ oder auch von „Suchmaschinenbildung“. Und obwohl der Autor mit dem ziemlich konservativen Schriftstück zeigt, daß seine Zeitung eben doch Bekanntes und „Bewährtes“ dem Neuen und „Revolutionärem“ vorzieht, ist es wert, es genauer zu Studieren.
Denn in weiten Teilen hat der Autor recht, zum Beispiel wenn er kritisiert, daß unüberprüfbares „Meinungswissen“ zu Gewissheit erhoben wird oder ein geneigter Patient seinen Arzt mit Googeltrefferbesserwissen komplexer Zusammenhänge nervt. Das ist im besten Falle nervig, im Schlimmsten gefährlich. Auch hilft es niemandem, sich in Reden von technikgläubigen „Zukunftsjüngern“ über die ach so rosige Zukunft wohlig zu räkeln.
Das Problem an dem Artikel ist, daß er die Lösung seines Problems beinhaltet, auf sie aber gar nicht weiter eingeht und sie links liegen läßt. So sagt er, daß Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales Studenten, die mit Wikipediawissen Prüfungen vergeigen, nicht bemitleiden kann und zitiert diesen mit den Worten: „Um Himmels willen! Ihr seid doch auf dem College. Wie könnt ihr da diese Enzyklopädie für eure Studien benutzen.“ Es scheint eben, die Urteilsfähigkeit ist eingeschränkt, sei es aufgrund von Mängeln beim Empfänger oder Verschleierung beim Sender. Weitergesendete Kettenmails im Stile von „XYZ verschenkt 20000 Euro“ bestätigen das.
In dem Artikel wird den „etablierten Medien“ zugute gehalten, daß sie durch ihre Aufnahmeverfahren und Sanktionierungen von „Fehlverhalten“ sowie durch ihre Nicht-anonymität Qualität sichern können. Jedoch ist hier ein Teil der Urteilsbildung einfach nur vorverlagert, so daß ein „etabliertes Medium“ mit seinem Ruf zum Beispiel für eine gewisse Art von Quellenüberprüfung steht. Und wenn der Artikel dann moniert, daß in der „Blogoshäre“ „Kaffeekochen in Japan und die Beschaffenheit von Flugzeugsitzen“ wichtiger als Nachrichten des Weltgeschehens empfunden werden, dann verkennt er, daß diese „Wichtigkeit“ nichts über die Qualität aussagt. Mit anderen Worten: die massenhafte Verbreitung von Sensationspresse ist nicht auf die Qualität ihrer Berichte zurückzuführen. Was viele glauben ist nicht automatisch richtig.
Im Internet gibt es keine offizielle Qualitätssicherung, nein. Aber vielen Nutzern und auch nicht-Nutzern fehlt es an Kritikfähigkeit und an dem Willen Quellen nachzuprüfen. Und hier liegt eigentlich auch die Antwort auf des Artikels Frage nach dem Wieso „all das grundsätzliche Hallelujah auf den ‘User Generated Content’…?“ Die Qualitätssicherung oder -einschätzung wird von einem Gremium oder einem gewinnorientierten Unternehmen komplett auf den Empfänger übertragen und ermöglicht damit ein breiteres Spektrum an Meinungen und auch an Informationen sowie an Diskussion. Wenn der „User“ Wissen statt Unterhaltung sucht, verschwindet „Kaffeekochen in Japan“ von den Top 10 des Wichtigen und der „Generated Content“ wird auf Argumentation statt auf Spaßfaktor abgeklopft. Der „User“ und der „nicht-User“ müssen hinterfragen und die „Generator“ müssen untermauern. Das Hallelujah entspringt der Hoffnung auf Befreiung von Meinungsführung durch Wenige wenn der Einzelne die Verantwortung für sein Urteil übernimmt.
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